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Hier werden Mauern eingerissen und Brücken gebaut


Es klingt paradox: Die Zahl von Ausbildungsplätzen im Handwerk nimmt ab, gleichzeitig aber beklagen sich Unternehmer häufig darüber, nur schwer qualifizierte Bewerber zu finden. Hier existiert offenbar eine Kluft zwischen den Erwartungen auf Schüler- und Unternehmerseite. Die Handwerkskooperation Raumfabrik und die Hauptschule am Katernberg schaffen Abhilfe: Sie fördern den Austausch und bauen eine Brücke, indem sie alle Beteiligten „an einen Tisch“ bringen.

Jaqueline Kornett, Auzubildende zur Malerin und Lackiererin bei Braun, Teilnehmerin des Projekts mit der Hauptschule am Katernberg

„Ausbildung mit Zukunft – neugierig und praxisnah“– so lautet das Motto des vor fünf Jahren zwischen der Raumfabrik und der Schule unterzeichneten Kooperationsvertrages. Workshops und Betriebserkundungen, Expertenrunden in Schulen sowie Unterricht in den Betrieben stehen hier auf dem Programm. Das Projekt sorgt für Praxisnähe und Berufsorientierung in den Klassen und vermittelt zwischen Arbeitgebern und (zukünftigen) Auszubildenden. „Medium“ sind vor allem Ex-Schüler bzw. derzeitige Auszubildende, die den Schülern der Klassen 8 und 9 über ihre Erfahrungen und Aufgaben in den jeweiligen Handwerksberufen berichten.

„Mit der Ansprache durch Gleichaltrige erreichen wir die Schüler viel besser und bekommen eine größere Akzeptanz“, so Klaus Braun, eines der Vorstandsmitglieder der Raumfabrik und Mitgründer der Kooperation. Ohnehin ist Vertrauen eine sehr wichtige Grundvoraussetzung bei der Arbeit mit der jungen Generation: Es gilt Barrieren zu überwinden, Mauern einzureißen und Verständnis aufzubauen. Auf beiden Seiten. Denn Arbeitgeber haben ebenfalls Vorurteile abzubauen und ihre Erwartungen anhand der Realität zu justieren. Das gelingt im gegenseitigen Austausch am besten.

Besonders das monatliche „Azubi-Frühstück“ bietet die Gelegenheit dazu – dann treffen Arbeitgeber mit Schülern und Lehrern der Hauptschule sowie Auszubildenden und Praktikanten der Raumfabrik- Betriebe zusammen. Der Effekt: ein frühzeitiges Orientieren, vielleicht ein Weichenstellen beim beruflichen Werden des Einzelnen oder sogar erste Arbeitsverhältnisse.

Klaus Braun, Geschäftsführer Raumfabrik AG

Auch Klaus Braun und seine neue Auszubildende haben sich über das Projekt kennen gelernt. Jaqueline Kornett hat im Malerbetrieb Braun ein Praktikum absolviert und ihren Chef von sich überzeugen können. Im September hat sie ihre Ausbildung zur Malerin und Lackiererin begonnen. „Womöglich hätte ich Jaquelines Qualitäten ohne die Zusammenarbeit gar nicht erkannt“, spricht sich der Ausbilder fürs Praktikum aus. Praktika werden innerhalb des Projekts ebenfalls gefördert und vermittelt. Übrigens auch für die Lehrer – damit die genau wissen, wovon die Rede ist.

Klaus Braun spricht von einem inzwischen freundschaftlichen Kontakt zwischen den Lehrern und Raumfabrik-Betrieben, über den viele Schüler auf den richtigen Weg gebracht werden können. Alles in allem hat sich das Projekt als praktikabel und sehr erfolgreich erwiesen. Die Freude der Teilnehmer und die offiziellen Auszeichnungen des Projekts bestätigen das.

Info

Das Kooperationsprojekt der Raumfabrik mit der Hauptschule am Katernberg wurde in 2008 als eines der besten Good-Practice- Beispiele des Jahres gekürt und erhielt den Unternehmerpreis der Landesregierung „Wir wollen: Wirtschaft für Schule in NRW“. Außerdem erhielt der Gründer der Raumfabrikkooperation Klaus Braun im Frühjahr 2009 den Förderpreis der CDU. Und diesen Herbst geht es noch nach Berlin – als „Vorzeigeprojekt“ zur Landesvertretung NRW.